Beginn Teilzeitarbeit


Dieser Artikel ist Teil der Beitragsserie: „meine Reise“


Erster Tag in Teilzeit

Nun ist es also so weit. Ab sofort arbeite ich nur noch 30 anstatt 38 Stunden in der Woche. Ein voller Arbeitstag pro Woche weniger. Ich bin gespannt, wie sich das auf meine Zufriedenheit auswirken wird und wie viele Stunden ich dann tatsächlich arbeiten werde (inklusive Überstunden).

Meine Stundenverteilung

Meine neue geplante Anwesenheit im Unternehmen sieht folgendermaßen aus:

WochentagAnwesenheitszeitArbeitszeit
Montag8:00 bis 15:00 Uhr6,5 Std.
Dienstag8:00 bis 15:00 Uhr6,5 Std.
Mittwoch8:00 bis 15:00 Uhr6,5 Std.
Donnerstag8:00 bis 15:00 Uhr6,5 Std.
Freitag8:00 bis 12:15 Uhr4,0 Std.

Also Montag bis Donnerstag 1,75 Stunden, am Freitag 1,0 Stunden weniger als meine Kollegen. Trotzdem bin ich jeden Tag im Unternehmen und damit auch quasi immer erreichbar. Dies war meinem Chef sehr wichtig und mir kam das auch gelegen, da ich lieber jeden Tag weniger arbeiten wollte, als einen ganzen Tag frei zu haben.

Das atmende Gleitzeitkonto

Pläne sind dafür da, um sie über den Haufen zu werfen – so könnte man dann die ersten Wochen und Monate beschreiben. Ich bin quasi so gut wie nie pünktlich um 15 Uhr aus der Arbeit gekommen, da immer irgendetwas war: Entweder ein Kollege hat kurz vor Schluss noch angerufen oder es gab noch eine Besprechung oder ich wollte „noch schnell“ etwas fertig machen. So kam ich auf im Schnitt 33 Stunden, also 3 Stunden Plus pro Woche, welche sich auf dem Gleitzeitkonto ansammelten. Zeit diese Stunden abzufeiern war aber auch nicht absehbar. Soweit kein Problem, dann sammle ich einfach welche an – dachte ich mir naiv…

Dann kam Corona

Im März 2020 kam dann das leidige Corona-Thema. Ich war zu der Zeit gerade in der Karibik auf einer Kreuzfahrt – die dann schon vor dem geplanten Abreisedatum abrupt endete. Als ich wieder in München angekommen bin, war die Welt eine andere…

Homeoffice

Kaum zurück in der Arbeit wurde ich ins Homeoffice geschickt – eine komplett neue Erfahrung für mich. Bisher war ich es gewohnt, dass Mittags in der Kantine das Lieferessen bereitsteht, man eine gute Zeit mit den Kollegen hat und einfach auch mal einen Kaffee miteinander trinkt. Dann auf einmal nur noch zu Hause sitzen, alles geschlossen außer die Supermärkte. Nur noch telefonischer Kontakt mit anderen Menschen. Das waren die Schattenseiten.

Aber es gab auch positives an der Situation. Ich hatte jetzt täglich eine halbe Stunde Pendelzeit eingespart. Mittags konnte ich mich auf meinen Balkon in die Sonne setzen und das selbst gekochte, gesündere Essen genießen. Auch habe ich immer mal wieder Pausen eingelegt und für ein paar Minuten die Sonne genossen. Die Arbeit ging auch produktiver von der Hand, da eben keine Kollegen vorbeischauten und einen aus dem Flow rissen.

Ein neues Projekt

Nach ca. 2 Monaten im Homeoffice war es dann wieder möglich in die Firma zu fahren. Dort gab es dann auch gleich eine große Besprechung mit der Entscheidung, ein internes Innovationsprojekt zu starten, bei dem es darum ging, Anlagen für die Akku-Herstellung zu entwickeln. Ich sollte dabei meine Abteilung im Team vertreten. Von nun an war Homeoffice für mich wieder passé, da viel Abstimmungsarbeit im Team notwendig war und innerhalb kurzer Zeit auch der erste Prototyp in der Montagehalle stand, der von mir in Betrieb genommen werden wollte.

Hier habe ich das erste Mal gemerkt, dass mich mein Arbeitgeber nicht auf das Abstellgleis stellt, weil ich nur noch in Teilzeit arbeite. Das hat mich sehr gefreut und meine Ängste in der Hinsicht verfliegen lassen.

Das Gleitzeitdilemma

Natürlich hatte ich mittlerweile schon viele Stunden auf dem Gleitzeitkonto angesammelt (ca. 60 Stunden dürften es gewesen sein), was aber bisher kein Problem war. Durch die Auftragseinbrüche dank Corona sah die Welt jetzt aber anders aus. Viele Kollegen mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Dies funktioniert aber nur, wenn vorher die Stundenkonten fast leer sind. Daher gab es jetzt die Regel, nicht mehr als 38 Stunden anzusammeln. Alles darüber musste bis zum Monatsende zwangs-abgefeiert werden. Dies brachte mich in die Lage, dass ich trotz viel zu erledigender Arbeit nach Hause gehen und sogar Tage komplett ohne Arbeit verbringen musste. Meinen Chefs gefiel das natürlich nicht, aber es gab keine andere Wahl. Hier lernte ich, auch mal nein zu sagen und dabei zu bleiben, wenn neue Aufgaben verteilt wurden. Anfangs fiel mir das noch sehr schwer, aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Der Vorteil dabei ist, dass man endlich von dem Gefühl wegkommt, dass immer viel mehr Arbeit als Zeit vorhanden ist.

Die 4-Tage-Woche

Als die tägliche Corona-Testpflicht kam habe ich meine Arbeitszeit so angepasst, dass ich Freitags frei hatte und die 4 Stunden dafür an den anderen 4 Tagen anfielen. Hier habe ich dann gemerkt, dass mir das weniger gegeben hat, als täglich weniger zu arbeiten. Es heißt ja immer, dass der Sweet Spot bei ca. 6 Stunden täglicher Arbeit liegt. Das kann ich nur bestätigen und sogar noch weiter einschränken auf maximal 6 Stunden. Sobald die Testpflicht wieder vorbei war habe ich wieder 5 Tage gearbeitet.

Fazit

Man könnte sagen, dass mein Timing zum Start der Teilzeit maximal schlecht war. Schließlich wollte ich die gewonnene Freizeit nutzen, um viel ins Fitnessstudio zu gehen, im Hallen- und Freibad zu schwimmen, mich mit Freunden zu treffen und einfach öfters ohne Stress etwas zu unternehmen. Dank Corona alles nicht wirklich möglich. Aber dennoch lernte ich die viele neu gewonnene Freizeit zu schätzen und habe noch nie so viel gelesen wie in dieser Zeit. Die Themen waren hauptsächlich Persönlichkeitsbildung, Erfüllung im Leben und alles zur finanziellen Freiheit und Optionshandel. Im Nachhinein bin ich richtig froh um diese Zeit, da ich immer noch von den gewonnenen Erkenntnissen profitiere.

Was denkst du?

Hat sich die Entscheidung, in Teilzeit zu arbeiten, gelohnt?

Hättest du irgendetwas anders gemacht?

Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

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