Entschluss für Stundenreduktion


Dieser Artikel ist Teil der Beitragsserie: „meine Reise“


Die letzten 4 Jahre

Nachdem ich jetzt 4 Jahre lang im gleichen Unternehmen gearbeitet habe und ich alles in allem sehr zufrieden mit dem Arbeitsumfeld, den Kollegen und Aufgaben bin, gibt es nur eine Sache, welche mir sauer aufstößt.

Und zwar sind das die immer wieder anfallenden Überstunden. 634 insgesamt. Teilweise 60 Stunden pro Monat – und damit 50 Stunden Wochen. Und das Ganze ohne Freizeitausgleich und Zwangsauszahlung, sobald mehr als 250 auf dem Konto sind. Zumindest den Staat hat es gefreut (dank der hohen Steuerprogression).

So wollte ich nicht mehr weitermachen. Das musste sich ändern…

Gespräch mit dem Chef

Also habe ich ein Gespräch mit meinem Chef vereinbart, um das Thema mal durchzusprechen. Ich war gut vorbereitet, hatte eine schöne grafische Auswertung mitgenommen:

Übersicht der Überstunden

Habe ihm klar mitgeteilt, dass ich diese Form der Mehrarbeit so nicht mehr tragen will. Er hat es verstanden, aber auch gemeint, dass er da nichts machen könne, da die anderen Mitarbeiter ja auch Überstunden machen müssen. Wir haben dann noch länger über unsere Arbeit philosophiert und überlegt, ob wir sonst etwas zur Verbesserung machen können. Die einzige Möglichkeit wäre gewesen, dass ich einfachere Projekte bzw. „Nachbauten“ von schon bestehenden Anlagen bekommen hätte. Da ist die Belastung nicht so hoch. Aber das wollte ich auch nicht, weil mir das zu langweilig erschien und ich schon herausgefordert werden will.

Ein ernüchterndes Gespräch mit am Ende gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite hatte ich Verständnis für die Argumente meines Chefs, auf der anderen Seite wollte ich aber so nicht mehr weitermachen. Kündigen war aber auch keine Option, da mir die Arbeit ansonsten sehr Spaß gemacht hat. Was also tun?

Entschluss für Teilzeit

Seit Januar war in den Medien öfters die Rede vom neuen Gesetz für „Brückenteilzeit„. Das machte mich Neugierig. Die Idee war, dass ich von 38 auf 30 Wochenstunden reduzieren könnte und dann maximal 8 „Überstunden“ pro Woche machen würde. Damit wäre ich insgesamt nicht mehr über die von mir gewünschten 38 Stunden gekommen. Bei der Brückenteilzeit kehrt man automatisch nach 1 – 5 Jahren wieder in die Vollzeit zurück. Das gefiel mir nicht so gut, deshalb fiel mein Fokus auf eine Standard-Teilzeit ohne Ablaufdatum. Nachfolgend findet ihr meine Überlegungen und Recherchen dazu:

gesetzliche Möglichkeiten

Die aktuell geltenden Bestimmungen zum Thema Teilzeit kann man hier nachlesen: TZBFG

Voraussetzungen waren zum damaligen Zeitpunkt:

  • Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern
  • mehr als 6 Monate Betriebszugehörigkeit
  • 3 Monate vor geplantem Start muss schriftliche Mitteilung an Arbeitgeber gehen
  • der Arbeitnehmer muss angeben, wie viele Stunden gearbeitet werden soll und wann

Außerdem kann der Arbeitgeber den Antrag nur sehr schwer ablehnen, da eine wesentliche Beeinträchtigung im Betrieb oder unverhältnismäßig hohe Kosten durch den Teilzeitantrag entstehen müssten, was in aller Regel nie der Fall ist.

Also von den gesetzlichen Möglichkeiten her war das genau das, was ich suchte. Check ✔️

Das liebe Geld

Ein wichtiger Punkt bei Teilzeitarbeit ist natürlich das reduzierte Gehalt. Um sich die Auswirkungen von so einer Entscheidung aufzuzeigen, gibt es einen schönen Rechner vom BMAS. Ich habe euch dazu mal eine fiktive Beispiel-Rechnung hier angehängt:

Beispielrechnung Teilzeit Gehalt

Durch die Steuerprogression verdient man Brutto zwar 1.052 € weniger (21,04 %), aber Netto sind es nur noch 540 € weniger (17,67 %). Effektiv erhöht man somit sogar seinen Nettostundenlohn.

Nun muss man sich das individuell ausrechnen (Sonderzahlungen nicht vergessen, sondern auf 12 Monate runter gerechnet mit einbeziehen!), wie viel weniger Netto man dann zur Verfügung hat und ob man damit noch gut zurecht kommen kann.

Bei mir wären es ca. 400 € pro Monat weniger gewesen laut Rechner. Durch meine hohe Sparquote von ca. 58 % würde dies nur den Betrag, den ich monatlich an der Börse investierte, verringern, mich aber in meinem sonstigen Leben kein bisschen einschränken. Außerdem hatte ich hier schon ca. 800 € netto monatliche passive Einnahmen, welche mich hier ebenfalls beruhigten.

Also auch beim finanziellen Aspekt für mich vertretbar – Check ✔️

Karriere adieu?

Ein weit verbreiteter Nachteil von Teilzeitarbeit ist, so die landläufige Meinung, dass die Karriere damit vorbei wäre. Hier habe ich mir auch viele Gedanken gemacht, ob das auf mich zutreffen würde. Aber dann habe ich mir überlegt, welche Karriereschritte im Unternehmen für mich überhaupt in Frage kommen oder möglich sind. Hier gibt es nur noch den Gruppenleiter oder den Abteilungsleiter, welche in der doch flachen Hierarchie über mir stehen. Beide haben noch mindestens 15 Jahre bis zur Rente und das sind tatsächlich auch Jobs, für die ich mich nicht gerade begeistern könnte. Also von der Seite her kein Risiko.

Doch wie sieht es mit den Arbeitsinhalten aus? Ich würde nicht mehr selbst Projektleiter sein können, sondern vermutlich anderen Kollegen nur zuarbeiten / diese unterstützen. Ergo: weniger Verantwortung, weniger Entscheidungsbefugnis. Oder aber ich würde nur noch ganz kleine, unliebsame Aufträge bekommen, welche mich absolut gar nicht mehr erfüllen würden. Vielleicht auch eine Mischung davon.

Dieser Punkt musste noch in einem weiteren Gespräch mit meinem Chef abgeklärt werden. – großes Fragezeichen ❓

Die Entscheidung

Nachdem ich alle diese Punkte für mich gut durchdacht hatte und mein Chef mir versicherte, dass ich nicht diese kleinen, unliebsamen Projekte bekommen würde, weil das nicht meinen Fähigkeiten gerecht werden würde, habe ich den Entschluss gefasst, von nun an in Teilzeit zu arbeiten.

Jetzt blieb noch die Frage, ab wann. Mir persönlich wäre ab sofort am liebsten gewesen, aber mein Chef hatte mich schon für ein weiteres Projekt (Luftfahrttechnik in den USA) eingeteilt. Also haben wir uns auf den 01.01.2020 geeinigt. Das macht es dann auch für die Buchhaltung einfacher, da die Sonderzahlungen nicht extra angepasst werden müssen.

Mit dieser Aussicht auf Besserung fiel es mir dann auch nicht mehr allzu schwer, noch ca. 70 Überstunden in den verbleibenden 9 Monaten zu leisten.

Wie sieht es bei dir aus?

Arbeitest du in Voll- oder Teilzeit?

Wie viele Stunden arbeitest du pro Woche?

Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen.

4 thoughts on “Entschluss für Stundenreduktion

  1. Hi Manuel,

    sagen wir mal so .. wenn sich die Chance ergibt würde ich weiter reduzieren .. aktuell plane ich es allerdings nicht.
    Ist manchmal schwer zu rechtfertigen, da ich in einer Agentur arbeite.

    Viele Grüße
    Matthias

    1. Hi Matthias,

      hmm, dann hoffen wir mal, dass sich die Chance bald ergibt ?

      Das mit der Rechtfertigung kenne ich, aber am Ende sollte man auf sein eigenes Glück schauen und nicht das des Arbeitgebers…

      Grüße,
      Manuel

    1. Hallo Matthias,

      Danke für deinen Kommentar ?

      Geht mir genauso, das ist wirklich die Beste Entscheidung, die man so treffen kann.
      Aktuell bin ich noch am hadern, ob ich nächstes Jahr nochmal weiter runtergehen soll.
      Mir würden 25 oder sogar nur 20 Stunden vorschweben…
      Würde dann Montags komplett freinehmen, da ich Freitag meistens eh um 12:30 Uhr schon zu Hause bin.

      Hast du ähnliche Pläne?

      Grüße,
      Manuel

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